Marlene arbeitet freiberuflich und betreut Kommunikation, Webseiten und Social Media im Deutschen Museum Burg Posterstein. Sie bloggt über Digitalisierung und soziale Medien in Kulturorganisationen. Derzeit kuratiert sie das Ausstellungsprojekt #SalonEuropa für das Museum Burg Posterstein - ein großes interaktives Online- und Analogexperiment.
Anfang September lud mich der Deutsche Bibliotheksverband als Kulturblogger ein, Bibliotheken in Lettland und Litauen zu besuchen. Wir wollten untersuchen, wie die Digitalisierung in den baltischen Ländern funktioniert, die für ihre ehrgeizigen Digitalisierungsprojekte bekannt sind. Viele der baltischen Kulturerbesammlungen sind für jedermann zugänglich und gemeinfrei. Doch was bedeutet das für die Zukunft der Kultureinrichtungen?
Wenn das kulturelle Erbe digital ist, brauchen wir dann noch Museen?
Es war einer der ebenfalls zur Reise eingeladenen Journalisten, der diese Frage mit mir diskutierte. Seine Argumente waren: Wenn das Kulturerbe vollständig digitalisiert ist und Sie von überall darauf zugreifen können, warum sollten Sie ein Museum besuchen, um das Original zu sehen? Meistens darf man die Originale nicht berühren und man kann sie nur hinter Glas sehen. Sie können nicht hineinzoomen oder sie von verschiedenen Seiten sehen.
Wir wissen nicht, was zukünftige Technologien erreichen werden, aber höchstwahrscheinlich werden wir hochauflösende Virtual-Reality-Versionen von Kulturerbeobjekten sehen. Vielleicht können wir heute mehr Gegenstände sehen, als Museen ausstellen können. Und natürlich können wir 24 Stunden am Tag digitale Gegenstände betrachten. Besuchen Sie viele verschiedene Museen gleichzeitig. Kostenlos. Vielleicht werden zukünftige Technologien die Realität so perfekt imitieren, dass es sich anfühlt, als wären wir im echten Museum – oder noch besser. Warum sollte die Gesellschaft noch echte Museen haben?
Was ist überhaupt ein Museum?
Hier ist die Definition des Internationalen Museumsrates:
„Ein Museum ist eine gemeinnützige, ständige Einrichtung im Dienste der Gesellschaft und ihrer Entwicklung, die der Öffentlichkeit zugänglich ist und das materielle und immaterielle Erbe der Menschheit und ihrer Umwelt zum Zwecke der Bildung, des Studiums und des Genusses erwirbt, bewahrt, erforscht, vermittelt und ausstellt.“
Meiner Ansicht nach passt das gemeinfreie Kulturerbe perfekt in diese Definition des Begriffs „Museum“. Vielleicht wird sich dann für zukünftige Museen die tägliche Arbeit ändern, die sie übernehmen.
Die Definition ist so offen, dass die Aufgaben eines Museums auch digital erfüllt werden können. Natürlich wird es weiterhin einen Bedarf an Depoträumen geben, sowohl analoge als auch digitale Konservierung, Akquisitionen und Personal. Darüber hinaus besteht nach wie vor Bedarf an Forschungs-, analogen und digitalen Ausstellungen und Bildungsprojekten und der damit verbundenen Kommunikation.
Ob Museen eine Eintrittsgebühr erheben sollten oder nicht, wird immer wieder diskutiert. Museen verwalten das Erbe der Gesellschaft, sie werden von der Gesellschaft finanziert und sollten für alle offen sein. Mit OpenGLAM kann diese Offenheit nur breiter werden und alle Menschen auf der ganzen Welt einbeziehen. Digitale Ausstellungen können sogar interaktiver sein und mehr Partner und Forschungen einbeziehen. Ausstellungen der Europeana Collections geben einen Eindruck davon, wie sich zukünftige Museumsausstellungen entwickeln könnten.
Offene Haltung gegenüber OpenGLAM in Lettland
In Lettland war ich beeindruckt von der Offenheit aller Menschen, mit denen wir gesprochen haben, gegenüber OpenGLAM. Für sie – Bibliothekare, Politiker, Kulturschaffende – war es gesunder Menschenverstand, dass die Digitalisierung einen offenen Zugang zum Kulturerbe für alle umfasste. Niemand befürchtete, dass GLAMs die Digitalisierung nicht überleben würden. Niemand stellte in Frage, dass GLAMs für eine Gesellschaft wichtig sind, um das kulturelle Erbe zu verwalten. Niemand stellte in Frage, dass kulturelles Erbe für die Gesellschaft wichtig ist.
In der Lettischen Nationalbibliothek in Riga sprachen wir mit Uldis Zariņš, stellvertretender Staatssekretär im Kulturministerium, Mitglied des Europeana Network Association Council und ehemaliger Direktor für Entwicklung an der Lettischen Nationalbibliothek. Er hofft, dass die Digitalisierung dazu beitragen kann, das lettische Kulturerbe zu vereinheitlichen, das sich über Archive, Bibliotheken und Museen in verschiedenen Ländern verbreitet. Die lettische Regierung plant, dass in Zukunft nur die Digitalisierungsprojekte, die das kulturelle Erbe für alle zugänglich machen, vom Staat unterstützt werden. In meinen Augen ist das ein großes Statement und ein bemerkenswerter Schritt hin zu einer demokratischen Nutzung des kulturellen Erbes.
Die Zukunft ist digital und analog zugleich
Wir werden sehen, wie die Digitalisierung die tägliche Arbeit der Kulturinstitutionen verändert. Aber ich bin mir sicher, dass die Digitalisierung nicht das Ende von Museen, Archiven und Bibliotheken als physischem Ort sein wird. Vielleicht werden sie auch ein Treffpunkt für zukünftige Kulturliebhaber sein.
