In einem kürzlich vom EUreka3D-Projektkonsortium und dem International Council on Archives (ICA) organisierten Webinar zur Authentizität digitaler Medien teilteFrederik Temmermans von der VUB/imec (ein Projektpartner von EUreka3D) sein Fachwissen zur Authentizität digitaler Medien, insbesondere zur Erhaltung des kulturellen Erbes. Dieser Vortrag betonte die Bedeutung einer authentischen, qualitativ hochwertigen Digitalisierung für das Verständnis und die Bewahrung unserer kulturellen Vergangenheit. Lesen Sie weiter, um herauszufinden, was besprochen wurde.
Die Herausforderung der Authentizität digitaler Medien
Es gibt klare Herausforderungen bei der Erfassung und Speicherung authentischer digitaler Repräsentationen physischer Objekte. In diesem Zusammenhang gilt ein digitales Mediengut als authentisch, wenn es eine echte Darstellung des ursprünglichen Artefakts darstellt und seit seiner Gründung unverändert ist. Kunstwerke können beispielsweise bei der Digitalisierung unter unterschiedlichen Bedingungen sehr unterschiedlich aussehen. Unterschiede in der Beleuchtung, Kameraausrüstung und sogar subtile Umweltfaktoren wie Temperatur können das Ergebnis beeinflussen. Diese Inkonsistenzen erschweren es, Artefakte wissenschaftlich einzuschätzen und digitale Reproduktionen im Zeitverlauf zu vergleichen.
Diese Probleme zeigen sich bei der Suche im Internet nach ikonischen Kunstwerken wie Leonardo da Vincis Mona Lisa oder Pieter Bruegels Turm zu Babel. Abweichungen in Farbe, Kontrast und sogar Proportionen können das Verständnis des Betrachters für das Originalstück erschweren. Kopien und Parodien sind nicht immer leicht zu identifizieren.
EUreka3D und die Bedeutung von Paradaten
Mit dem EUreka3D-Projekt sollten diese Bedenken ausgeräumt werden, indem die konsistente Erfassung und Bewahrung sogenannter „Paradaten“ gefördert wird – detaillierte Informationen, die die Bedingungen und Einstellungen jedes Digitalisierungsereignisses beschreiben. Diese Paradaten enthalten Informationen über die Kameraeinstellungen, die Beleuchtungseinrichtung, die Umgebungsbedingungen und die verwendete spezifische Ausrüstung. Die Erfassung dieser Details stellt sicher, dass digitale Darstellungen im Laufe der Zeit zuverlässiger und vergleichbarer sind.
Die Aufzeichnung dieser Informationen ermöglicht es Historikern, Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit, eine digitale Aufzeichnung bis zu ihren Ausgangsbedingungen zurückzuverfolgen. Im Rahmen von EUreka3D ist die Beibehaltung von Paradaten neben digitalen Bildern von entscheidender Bedeutung, um eine künftige Analyse dieser digitalen Aufzeichnungen sicherzustellen und gleichzeitig Schwankungen Rechnung zu tragen, die sich aus Schwankungen der Aufnahmebedingungen ergeben.
Dieser datenreiche Ansatz ist besonders wichtig, da digitale Reproduktionen zunehmend als Proxies für den physischen Zugang zu Artefakten dienen. Durch die Erhaltung von Paradaten zielte EUreka3D darauf ab, die Lücke zwischen statischen digitalen Aufnahmen und der dynamischen, sich entwickelnden Realität historischer Objekte zu schließen. Durch die genaue Erfassung von Paradaten können Sie beispielsweise theoretisch Änderungen über mehrere digitalisierte Versionen desselben Artefakts hinweg verfolgen und Änderungen aufgrund von Umweltfaktoren, Restaurierungsbemühungen oder technologischen Fortschritten erkennen.
Manipulation digitaler Medien und die Rolle der KI
Die wachsende Rolle der künstlichen Intelligenz (KI) in digitalen Medien, sowohl als Werkzeug zur Verbesserung von Bildern als auch als Quelle potenzieller Manipulation, ist ein wichtiger Faktor in dieser Diskussion. KI-gesteuerte Tools sind verfügbar, um die visuelle Qualität zu verbessern, beispielsweise durch Denoising, Kolorierung oder Erhöhung der Bildauflösung.
Solche Werkzeuge können jedoch neue Informationen einführen, die in der ursprünglichen Arbeit nicht vorhanden sind. Während diese Entwicklungen wertvolle neue Möglichkeiten bieten, verwischen sie die Grenze zwischen authentischen Darstellungen und digitalen Veränderungen weiter. Die Tatsache, dass diese Werkzeuge breiter zugänglich werden, stellt die Unterscheidung zwischen echten Artefakten und manipulierten Versionen vor Herausforderungen. Zur Veranschaulichung zeigt das folgende Beispiel ein Bild von Da Vincis Mona Lisa, in dem der Hintergrund mit dem in Adobe Photoshop entwickelten KI-Tool Generative Expand erweitert wurde.

KI-basierte Erkennungsmethoden werden häufig verwendet, um generierte und manipulierte Inhalte zu identifizieren. Während solche Methoden in letzter Zeit beeindruckend genau geworden sind, wird das Problem zu einem kontradiktorischen Kampf zwischen KI-Tools. Da sich die Erkennungsinstrumente verbessern, werden auch die Methoden zur Erstellung des Inhalts verbessert, was zu einem fortlaufenden Spiel mit „Katze und Maus“ führt. Als Branche müssen wir auf eine Zukunft hinarbeiten, in der die Provenienz digitaler Medien genau dokumentiert wird, beginnend bei der Erstellung der Medien und über den gesamten Lebenszyklus hinweg. EUreka3D veranschaulicht diesen proaktiven Ansatz durch die detaillierte Dokumentation von Paradaten. Um die Authentizität des digitalen Erbes weiter zu gewährleisten, müssen Paradaten und Metadaten durch kryptografische Methoden sicher mit den Medieninhalten verknüpft werden.
Mit Blick in die Zukunft: Interoperabilität und Normung
Um diese Zukunftsvision Wirklichkeit werden zu lassen, sind Interoperabilität und Normung unabdingbar. Der JPEG Trust Standard (ISO/IEC 21617) zielt darauf ab, einen standardisierten Rahmen für die Einbettung und Sicherung von Provenienzdaten in digitale Mediendateien zu schaffen. Diese Initiative zielt darauf ab, die Bemühungen zwischen Organisationen und Technologien aufeinander abzustimmen und es Institutionen weltweit zu ermöglichen, authentische kulturelle Aufzeichnungen effektiver zu teilen und zu überprüfen.
Der Schwerpunkt von EUreka3D auf Paradaten und Metadaten als grundlegende Elemente der digitalen Bewahrung weist auf eine transparentere digitale Zukunft hin, in der Provenienzdaten sicherstellen, dass das Kulturerbe für künftige Generationen zuverlässig und zugänglich bleibt.
Erfahren Sie mehr
Wenn Sie mehr über EUreka3D und seine Errungenschaften erfahren möchten, erfahren Sie, wie das Projekt die Erstellung und Wiederverwendung von 3D-Erbe ermöglicht hat. Sie können sich auch eine Aufzeichnung des Vortrags von Frederik auf der EUreka3D-Website ansehen.
