Die luxemburgische Bascharage Lagerstätte ist eine Fundgrube des frühen jurassischen Meereslebens mit Fossilien, darunter ein Exemplar des Stenopterygius quadriscissus – ein Ichthyosaurier, der die ersten bekannten Beweise für oktobrachianische Raubtiere enthält –, die in einer 180 Millionen Jahre alten Schieferschicht aufbewahrt werden. Während diese Exemplare seit langem im Musée national d'histoire naturelle Luxembourg (MNHNL) untersucht und ausgestellt werden, ist es an der Zeit, sie ins digitale Zeitalter zu treiben.
Vor einigen Jahren nutzte das MNHNL die 3D-Digitalisierung, um mithilfe der Photogrammetrie hochauflösende Modelle eines Bruchteils seiner Zehntausende von Fossilien zu erstellen. Diese digitalen Leihmutterschaften unterstützen nicht nur Forschung und Konservierung, sondern machen auch zerbrechliche Exemplare für ein globales Publikum zugänglich, über die physischen Ausstellungs- oder Lagerwände des Museums hinaus.
Doch Digitalisierung allein reicht nicht aus. Digitale Modelle müssen dynamische Instrumente sein, die für Bildung, Forschung und öffentliches Engagement genutzt werden. Hier kommt Twin it! ins Spiel. Die Kampagne, die von der Europeana-Initiative und der Europäischen Kommission geleitet wird, fordert die EU-Mitgliedstaaten auf, hochwertige 3D-Modelle ihres kulturellen Erbes zu einem gemeinsamen europäischen Datenraum beizutragen, wobei der Schwerpunkt auf der Wiederverwendung in der Bildung und darüber hinaus liegt. Für Luxemburgs Beitrag zu Twin it! Teil II, das Stenopterygius quadriscissus Fossil (TV211) war eine offensichtliche Wahl aufgrund seiner wissenschaftlichen Bedeutung, die in einem Forschungspapier von den Forschern des Museums demonstriert wurde.
Der 3D-Digitalisierungsprozess

Das Bild oben ist eine detaillierte Ansicht der fossilen Überreste eines vampyromorphen Coleoids im Magen eines Ichthyosaurierfossils aus Luxemburg.
Das Ichthyosaurus Fossil wurde mittels Photogrammetrie digitalisiert: 313 hochauflösende Bilder wurden mit kreuzpolarisierter Ringblitzbeleuchtung aufgenommen, um ihre Oberfläche in außergewöhnlichen Details zu enthüllen. Die Bilder wurden in 3DF Zephyr verarbeitet, was zu einem strukturierten 3D-Netz führte, das die komplizierte Morphologie des Fossils – von seinen Wirbeln bis zu den Überresten seiner Beute – bewahrt. Die Photogrammetrietechnik wurde vom Museum aufgrund vorhandener bildgebender Geräte gewählt und ermöglicht genügend Flexibilität, um die kleinsten Fossilien von nur wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern einzufangen.

Das obige Bild zeigt den fotografischen Dokumentationsprozess eines Ichthyosauriers aus der paläontologischen Sammlung MNHNL mit polarisiertem Licht.
Während 3D-Scanning atemberaubende Oberflächendetails erfasst, generiert es auch große Datensätze. Um Zugänglichkeit und Qualität in Einklang zu bringen, sind reduzierte Versionen der Modelle auf Plattformen wie Sketchfab zur gelegentlichen Inspektion verfügbar. Inzwischen sind hochauflösende Modelle und die Originalbilder unter einer CC BY 4.0-Lizenz über die luxemburgische offene Datenplattform data.public.lu frei zugänglich, auf der Sie den Datensatz für die 3D-Rekonstruktion des Ichthyosaurus-Fossils von MNHNL finden. Dies stellt sicher, dass Forscher, Pädagogen und Schöpfer die Daten nach Bedarf wiederverwenden, anpassen und weitergeben können.
Visionen für 3D in der Zukunft
Mit diesem außergewöhnlichen Modell, das nun Teil des gemeinsamen europäischen Datenraums für das kulturelle Erbe ist, setzt das MNHNL auf die Erhaltung seiner empfindlichsten Exemplare. Für einige Fossilien ist 3D-Scannen die einzige Möglichkeit, ihren aktuellen Zustand für zukünftige Generationen zu sichern, da einige aufgrund der Oxidation eisenreicher Mineralien in ihrer Schiefermatrix anfällig für Abbau sind.
Über die Konservierung hinaus erweitert das MNHNL den Zugang zu seinen digitalisierten Sammlungen. In Zusammenarbeit mit dem Europeana-Aggregator OpenUP! plant das Museum, noch in diesem Jahr Tausende von digitalisierten Exemplaren – darunter 300 mit 3D-Scans – über Europeana.eu über die Datenpipeline der Global Biodiversity Information Facility (GBIF) zu veröffentlichen. Diese Initiative zielt darauf ab, die Daten des Museums nicht nur über sein typisches wissenschaftliches Publikum hinaus zugänglich zu machen, sondern auch die Wiederverwendung seiner Vermögenswerte durch die breitere Bildungs- und Kreativbranche zu fördern.
Erkunden Sie das 3D-Fossil selbst
Sehen Sie sich das 3D-Rekonstruktionsmodell Stenopterygius quadriscissus von MNHNL auf Europeana.eu im Detail an und erfahren Sie mehr über Twin it! Teil II über den Bereich „News“ auf der Website des Datenraums.
