Was ist das Europäische Kulturerbe-Siegel?
Das Europäische Kulturerbe-Siegel (EHL) wurde 2011 als EU-Initiative ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Potenzial von Kulturerbestätten zu nutzen, um das Zugehörigkeitsgefühl der europäischen Bürger zur Union sowie ihre Wertschätzung der nationalen und regionalen Vielfalt, des gegenseitigen Verständnisses und des interkulturellen Dialogs zu stärken. Bis heute wurden europaweit 48 Standorte mit dem Siegel ausgezeichnet.
Das Siegel wird an Stätten verliehen, die einen symbolischen europäischen Wert haben und ein Projekt zur Förderung ihrer europäischen Bedeutung entwickeln. Die EHL-Websites zielen insbesondere darauf ab, das Bewusstsein und das Verständnis für die Geschichte Europas zu schärfen, insbesondere durch Bildungsaktivitäten, und die Zugänglichkeit zu verbessern, indem die Mehrsprachigkeit gefördert und die Möglichkeiten genutzt werden, die neue Technologien und digitale Mittel bieten.
Im Rahmen der Maßnahme „Europäisches Kulturerbe-Siegel“ können Stätten Denkmäler sein; natürliche, Unterwasser-, archäologische, industrielle oder städtische Stätten; Kulturlandschaften; Orte des Gedenkens; Kulturgüter und -gegenstände sowie immaterielles Erbe, das mit einem Ort verbunden ist, einschließlich des zeitgenössischen Erbes.
Das Netzwerk der EHL-Standorte umfasst über 100.000 Jahre europäische Geschichte, beginnend mit der prähistorischen Stätte Krapina Neanderthal und dem Museum, in dem Besucher entdecken können, wie die ersten menschlichen Gemeinschaften in Europa lebten. Unter anderem verkörpern die Charta der Abschaffung der Todesstrafe in Lissabon und der Paneuropäische Picknick-Gedenkpark beispielsweise die Werte der Achtung der Menschenwürde und der Menschenrechte, der Freiheiten, der Gleichheit, der Solidarität, der Bürgerrechte und der Gerechtigkeit, auf die sich die Union gründet. Das Netz umfasst auch Standorte, die eine direkte Rolle im europäischen Integrationsprozess gespielt haben, darunter der Europäische Bezirk Straßburg, das Dorf Schengen und der Vertrag von Maastricht.
Das Europäische Kulturerbe-Siegel steht Kulturerbestätten in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union offen, und die folgenden Mitgliedstaaten haben Interesse an einer Teilnahme am Europäischen Kulturerbe-Siegel bekundet: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Estland, Griechenland, Spanien, Frankreich, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Ungarn, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Slowenien, Slowakei, Tschechische Republik und Zypern. Entdecken Sie die Karte der EHL-Standorte
Europäisches Kulturerbe-Siegel und digitale Instrumente
Ein Schlüsselelement des EHL besteht darin, das Profil, die Attraktivität und die Zugänglichkeit der Standorte auf europäischer Ebene durch die Möglichkeiten digitaler Instrumente zu erhöhen, und die EHL-Standorte haben verschiedene Schritte unternommen, um die Digitalisierung in ihre Aktivitäten einzubeziehen. Die im Monitoringbericht 2020 genannten Beispiele konzentrieren sich insbesondere auf:
Digitalisierung von Sammlungen, unter anderem durch die Generalbibliothek der Universität Coimbra und das Archiv der Krone von Aragonien
Präsentation des komplexen Erbes mittels virtueller Realität, z. B. an der archäologischen Stätte Carnuntum und in der Abtei von Cluny
Bildungsprojekte und -material, z. B. im Rahmen des Projekts „Herz des antiken Athen“, der virtuellen Karte „Geschichten des europäischen Kulturerbes“ der Universität Tartu und in jüngerer Zeit des Online-Kurses „Zurück nach Europa“ von Fort Cadine. Diese Maßnahmen werden alle im Rahmen der Europäischen Tage des Kulturerbes im Rahmen der gemeinsamen Maßnahme der Europäischen Kommission und des Europarats finanziert.
Eine weitere wichtige Errungenschaft des Europäischen Kulturerbe-Siegels war die Förderung der Mehrsprachigkeit im Internet, unter anderem durch die von Münster und Osnabrück veranstaltete Karte der Stätten des Westfälischen Friedens, die in allen Amtssprachen der an der Maßnahme teilnehmenden Mitgliedstaaten verfügbar ist.
Die EHL-Maßnahme zielt darauf ab, die Chancen, die sich aus der Entwicklung digitaler Instrumente durch das wachsende Netz von Standorten ergeben, weiter zu nutzen.
Beitritt zum Netzwerk der EHL-Standorte
Die Vorauswahl der Stätten für das Europäische Kulturerbe-Siegel wird von nationalen Koordinatoren in jedem teilnehmenden Mitgliedstaat organisiert. Die endgültige Auswahl der Standorte für die Vergabe des Siegels erfolgt alle zwei Jahre auf Ebene der Europäischen Union.
Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Website des Europäischen Kulturerbe-Siegels oder wenden Sie sich an die Europäische Kommission, Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur unter [email protected].
Weitere Beispiele dafür, wie die Digitalisierung genutzt werden kann, um das bauliche Erbe zu unterstützen und zu bereichern, finden Sie auf der Europeana-Seite „Neues Europäisches Bauhaus“.
