Vielen Dank, dass Sie heute mit uns gesprochen haben! Können Sie uns etwas über Ihre Institution erzählen?
Das Museum für Naturkunde Berlin - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung ist ein integriertes forschungsbasiertes Museum innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft. Es ist eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen weltweit in den Bereichen der biologischen und geologischen Evolution und Biodiversität.
Unsere Mission ist es, das Leben und die Erde zu entdecken und zu beschreiben – mit den Menschen im Dialog. Als Forschungsmuseum und innovative Kommunikationsplattform wollen wir uns mit dem wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs über die Zukunft unseres Planeten weltweit auseinandersetzen und ihn beeinflussen.
Worauf hat sich Ihr gefördertes Projekt konzentriert? Und wie wurde es entwickelt?
Das Projekt baute auf einer Reihe von drei Workshops auf, die sich mit der Frage befassten, wie das Anthropozän, das „Zeitalter der Menschheit“, in dem menschliche Aktivitäten das Erdsystem dramatisch beeinflussen, unsere Praktiken und die Organisation von Wissen in Museen und Archiven beeinflussen und verändern werden. Zusammen mit meinen Kollegen Elisabeth Heyne, Projektleiterin von „Changing Nature Collecting the Anthropocene Together“, und Elisa Hermann, Leiterin der Abteilung Discovery Service and Information Management, war ich für die Europeana-Fördermaßnahmen verantwortlich.
Unsere Einrichtung betreibt „ChangingNatures. Collecting the Anthropocene Together,eine Zusammenarbeit mit dem Muséem national d'Histoire naturelle in Paris, Frankreich, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Ministère de l'Enseignement supérieur et de la Recherche (MESR). Mit einem Open-Science-Ansatz für die Sammlungsentwicklung lädt die Zusammenarbeit die Öffentlichkeit ein, zu einer digitalen Sammlung zum Thema Umweltveränderungen beizutragen, indem sie persönliche Objekte und die damit verbundenen Geschichten und Erinnerungen teilt. Ziel ist es, das Experimentieren mit neuen Sammelpraktiken, Erzählungen und Darstellungen des Anthropozäns zu fördern und Möglichkeiten für einen breiteren Dialog zu eröffnen, der Akteure aus Gesellschaft und Wissenschaft einbezieht.
Die Reihe von Workshops, die wir mit Unterstützung eines Europeana-Stipendiums organisiert haben, sind mit diesem größeren Projekt verbunden und liefern Beiträge dazu. Darüber hinaus treiben die in den Workshops diskutierten Fragen das Sammlungsentdeckungs- und -entwicklungsprojekt des Museums voran. Gesellschaftlich relevante Forschungsfragen sind hier unser zentraler Antrieb. Als moderne Forschungs- und Informationsinfrastruktur wird unsere Sammlung vollständig in die europäische Landschaft integriert und sowohl in analoger als auch in digitaler Form interoperabel gemacht, wodurch ein ganzheitlicher Zugang ermöglicht wird.
Was war das Ergebnis - wie kann man es nutzen?
Die Workshop-Ergebnisse geben einen umfassenden interdisziplinären Überblick und führen in aktuelle Diskussionen zum Anthropozän und zur musealen Praxis ein. Wir haben den Workshop-Bericht über die Plattform RIO ⁇ Research Ideas and Outcomes veröffentlicht, damit sie von jedem genutzt werden kann, um das Thema Anthropozän und kulturelles Erbe anzugehen und zu erforschen und ihre eigene Arbeit unter diesem Gesichtspunkt zu reflektieren. Es liefert auch Ideen für weitere Kooperationen. Die Zielgruppen von Europeana Pro können auch von einer gekürzten Fassung des Berichts profitieren. Die Ergebnisse der Workshops geben auch Anregungen für weitere Kooperationen.
Was haben Sie aus dieser Erfahrung über Crowdsourcing für kulturelles Erbe gelernt?
Die Workshops haben erfolgreich gezeigt, dass die Auseinandersetzung mit anthropozänen Objekten ein überzeugendes Tor zur Reflexion über aktuelle Praktiken im kulturellen Erbe bieten kann. Crowdsourcing-Projekte können Themen aus verschiedenen Perspektiven ansprechen. Gleichzeitig bringen sie die Herausforderung mit sich, unterschiedliche Berufssprachen sowie professionelle und öffentliche Diskurse und kulturelle Kontexte miteinander zu verbinden. Die Projekte sollten sich viel stärker auf Multiperspektivität konzentrieren und die Bedeutung von Begriffen und Sprache anerkennen, um gegenseitiges Verständnis und Dialog zu schaffen – und Crowdsourcing kann hier ein wichtiger Faktor sein.
KönnenCrowdsourcing-Initiativen so konzipiert werden, dass sie den Bedürfnissen von Forschern entsprechen?
Unsere Workshops haben gezeigt, dass es wichtig ist, die Perspektive vieler einzubeziehen und ständig darüber nachzudenken, welche Perspektiven in der Projektgestaltung fehlen, übersehen oder sogar ausgeschlossen werden. Die Bedürfnisse von Wissenschaftlern müssen daher nur ein Teil der Gestaltung von Crowdsourcing-Initiativen sein. Aus meiner Sicht wäre es wichtig, wissen zu können, wer zu einer Crowdsourcing-Initiative beiträgt und mit welcher Intention. Bei diesen Informationen sollte es sich weniger um personenbezogene Daten als vielmehr um den Kontext des Beitrags und des Beitragenden handeln.
Was sind Ihre Pläne für die Zukunft des Projekts?
Wir sehen die Workshops als Ausgangspunkt für weitere Diskussionen und Kooperationen. Durch die Veröffentlichung des Workshop-Berichts wollen wir die Ergebnisse für Wissenschaft und Praxis nutzbar machen und den weiteren Austausch anregen.
Vielen Dank, dass Sie uns von dem Projekt erzählt haben!
Wenn Sie mehr über das partizipative Projekt im Museum für Naturkunde Berlin erfahren möchten, besuchen Sie die Sammlungsplattform „Changing Natures“. Sie können auch der Europeana Research Community beitreten, um als Erster von weiteren Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu erfahren.
