Vielen Dank, dass Sie heute mit uns gesprochen haben! Was können Sie uns über das Museum Burg Posterstein und seinen Fokus auf die Herzogin von Kurland erzählen?
Die über 800 Jahre alte Burg Posterstein in Thüringen beherbergt ein Landeshistorisches Museum. Nur wenige Kilometer von Posterstein entfernt befinden sich die Schlösser Löbichau und Tannenfeld, die vor rund 200 Jahren der Herzogin Anna Dorothea von Kurland gehörten. Die Herzogin von Kurland kannte die wichtigsten Persönlichkeiten ihrer Zeit und versammelte Staatsmänner, Künstler, Bürger und Adel in ihrem Schloss.
Das Museum Burg Posterstein erforscht seit mehr als drei Jahrzehnten die Geschichte des Salons der Herzogin von Kurland. Sie war nicht nur eine der reichsten Frauen Europas, sie war auch klug, politisch interessiert und diplomatisch qualifiziert. Wir erkunden Ereignisse, die in Löbichau in Ausstellungen und Büchern passiert sind und konzentrieren uns auf Menschen, die mit der Herzogin und ihren Töchtern verbunden waren. Dies ermöglicht es uns, einen immer detaillierteren Blick auf Europa zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu werfen und das Netzwerk der mit der Herzogin verbundenen Menschen sichtbar zu machen.
Was ist „Salon Europa“?
#SalonEurope: analog meets digital Networking then and now – Europe means to me ...?" war eine Ausstellung aus dem Jahr 2018, die das Konzept des „Salons“ in unserer Zeit untersuchte und sowohl in analoger als auch in digitaler Form Erfolg hatte. In einigen neueren Projekten setzen wir diese Idee fort. Eines davon ist das von der Kulturstiftungdes Bundes im Rahmen des TRAFO-Programms geförderte Projekt „Flying Salon“im Landkreis Altenburg, bei dem die Bürger der Region die Möglichkeit haben, die Salonkultur ganz auf ihre eigene Weise zu interpretieren. Darüber hinaus will das Museum einen neuen Treffpunkt schaffen, der den historischen Salon im ehemaligen Nordflügel des Schlosses, der nun wieder aufgebaut wird, zum Leben erweckt. Darüber hinaus soll ein VR-Projekt in Kooperation mit der Universität Erfurt und der Fachhochschule Erfurt den Löbichau Salon ab 2023 zu einem virtuellen Erlebnis machen.
Auf unserer Website salon-europa.eu finden Sie Informationen zu solchen Projekten in englischer Sprache, um eine weitere internationale Vernetzung zu diesem Thema anzustreben.
Einige Artikel aus Ihren Kollektionen wurden kürzlich auf der Europeana-Website hinzugefügt - können Sie uns über die hinzugefügten Artikel informieren?
Der erste Teil unserer von uns digitalisierten Sammlung ist die Sammlung „Salongäste“ von Ernst Welker, Zeichenlehrer der Enkelinnen der Herzogin von Kurland. Während seines Aufenthaltes auf Schloss Löbichau im Jahr 1819 porträtierte er die Herzogin und ihre Familie sowie andere Gäste als Fabelwesen. Die Sammlung besteht aus 47 Aquarellen mit bekannten Löbichau-Gästen und zwei Skizzen. Ernst Welker steht in diesem Jahr im Mittelpunkt unserer Sonderausstellung und unseres neuen gleichnamigen Buches „Longing Destination Italy - The Painter Ernst Welker Travelling and in the Salon of the Duchess of Courland“.
Warum war es Ihnen wichtig, diese Artikel über die Europeana-Website zu teilen?
Welkers Porträts von Löbichau-Salongästen spiegeln nicht nur die Freiheit und Offenheit, sondern auch das internationale Netzwerk des Herzoginnensalons wider. Die Sammlung berührt eine Vielzahl spannender Biografien, in die es sich zu vertiefen lohnt. Die abgebildeten Menschen stammen aus den unterschiedlichsten europäischen Ländern und waren bereits zu Lebzeiten international vernetzt. Wir sind davon überzeugt, dass wir durch die Sichtbarkeit der Sammlung auf Europeana ein größeres, internationales Publikum erreichen können. Wir glauben, dass es die Möglichkeit bietet, sich mit anderen Institutionen auszutauschen, die ähnliche Themen erforschen und vergleichbare Sammlungen haben.
Wie werden Sie die Öffentlichkeit mit diesen Sammlungen online und persönlich beschäftigen?
Wir informieren regelmäßig und ausführlich über neue Forschungsprojekte in unserem Museumsblog und auf unserer Website, und wir haben auch einen deutschsprachigen Podcast LeseZEIT auf Burg Posterstein. Mit der Sammlung Welker haben wir an dem Kultur-Hackathon Coding da Vinci Ost in Leipzig teilgenommen, der es ermöglichte, mit der Web-App Cover Boutique ganz einfach ein Welker-Coverbild für Ihre transparente Smartphone-Hülle zu gestalten und auszudrucken.
Die digitalisierten Objekte aus der Sammlung der Salongäste sind ebenfalls Teil des VR-Salons, dessen Umsetzung sich derzeit in der Endphase befindet. Im virtuellen Salon können Besucher mit VR-Brille den Maler Ernst Welker bei der Arbeit sehen, während seine Zeichenschülerin Emilie von Binzer ihre Lieblingsporträts präsentiert.
Wir sind auch in den sozialen Medien aktiv und freuen uns, 2021 den DigAMus Award for Social Media zu gewinnen.
Wie passt dies zum umfassenderen digitalen Ansatz Ihrer Institution?
Wir planen alle Ausstellungen und Bildungsprojekte digital und analog. Unsere Forschungsergebnisse teilen wir seit vielen Jahren (neben analogen Museumspublikationen), seit 2010 über den Museumsblog und seit 2021 in unserem Podcast. Forscher profitieren von der erhöhten Sichtbarkeit, ebenso wie das Museum selbst, und dies hat zu vielen fruchtbaren Synergien geführt.
Der Salon der Herzogin von Kurland ist ein europäisches Thema, weshalb wir zunehmend auf Englisch darüber kommunizieren. Seit 2018 haben wir hart daran gearbeitet, unsere Sammlung von Salongästen zur Europeana hinzuzufügen - unermüdlich unterstützt von Peter Soemers, Vorsitzender der Europeana Network Association Communicators Community. Europeana ist genau der richtige Ort für diese Kollektion und wir hoffen, dass dies zu einer weiteren internationalen Vernetzung führen wird.
Sie haben 2021 den DigAMus Award für Social Media gewonnen - wie können Social Media Ihrer Meinung nach genutzt werden, um die Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe zu unterstützen?
Mit unserer Museumsarbeit wollen wir zeigen, wie kulturelle Bildung mit Hilfe des Internets neu gedacht werden kann. Kulturelle Bildung muss nicht nur vor Ort im Museum stattfinden. Wir befinden uns in einer herausfordernden Welt. Museen können sich mit ihrer Bildungsarbeit an der Gesellschaft beteiligen, sie können die Bindung zwischen den Bürgern und ihrer Region stärken und soziale Werte stärken. Dafür brauchen wir Konzepte, die über den Horizont hinausblicken, die neue Wege beschreiten, die Menschen ermutigen, miteinander zu reden.
Seit der Ausstellung #SalonEuropa 2018 setzen wir immer wieder auf praktische Aktivitäten, die darauf abzielen, mit den Besuchern zu interagieren und Wissen auf unterhaltsame Weise zu vermitteln, sowohl online als auch vor Ort. Jede weitere Aktion stärkt unser Netzwerk interessierter Bürger und kultureller Institutionen, was uns wiederum in unserer musealen Arbeit viele Male zugute gekommen ist. Unsere Empfehlung lautet daher: Vernetzen Sie sich, teilen Sie Ihre Inhalte, seien Sie kommunikativ und bleiben Sie offen für Neues.
